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Psychopharmaka: Die unbewiesene Medizin – Mehr Schaden als Nutzen?

Alternative Medizin ist immer wieder scharfen Anschuldigungen durch Verfechter der Schulmediziner ausgesetzt:

Ihre Wirkung sei nicht bewiesen, alles nur Aberglaube und Betrug.

Das allerdings gilt vielmehr für viele Medikamente in der Schulmedizin – vor allem Psychopharmaka.

Evidenzbasierte Medizin – Medizin auf Basis von überprüfbaren Beweisen, das ist es, was die Pharmakonzerne für sich in Anspruch nehmen. Schließlich ist es schwer genug, eine Zulassung für ein Medikament zu bekommen, es muss sich zunächst in zahllosen aufwändigen Studien bewähren.

Ein Medikament, was das schafft, wirkt ganz sicher, möchte man meinen. Was aber, wenn diese Studien vor allem eine finanzielle Hürde sind, um Mitbewerber auszuschalten und über die Wirksamkeit weit weniger aussagen, als wir denken?

 

Randomisierte kontrollierte Studien kosten häufig mehrere Millionen Euro – und werden deshalb zu 80 Prozent von der Pharmaindustrie gesponsert. Deren Interessen liegen auf der Hand:

Nichtpharmakologische und billige Therapien sind am Markt nicht erwünscht. Viele erfolgversprechende Therapien werden daher nur schlecht oder sogar nie überprüft und schaffen es trotz hoher Wirksamkeit niemals auf den großen Markt, für immer der Anschuldigung ausgesetzt, die Wirksamkeit sei ja nicht bewiesen.

Viele Wissenschaftler und Patientenorganisationen auf der ganzen Welt fordern deshalb schon lange ein neutrales Budget für eine freie Forschung, die unabhängig ist von den kommerziellen Interessen der Pharmaindustrie.

Wie sehr sich diese Interessen auswirken, wird immer wieder in Meta-Studien klar: In vergleichenden Studien schneidet das Präparat des Sponsors in neun von zehn Fällen besser ab als das Vergleichspräparat.

 

Dabei kommt es zu absurden Situationen, wenn zwei Pharmaunternehmen gleichzeitig Studien präsentieren, die nachweisen, dass ihr Präparat besser sei, als das des jeweils anderen.

Die von der Pharmaindustrie bezahlten Tests führen dreimal häufiger zu „wunschgemäßen Ergebnissen“ als solche von anderen Geldgebern.

Jahrelang verschwanden alle Studien mit unliebsamen Ergebnissen ganz einfach und wurden nie veröffentlicht. Dadurch erfuhr die Öffentlichkeit nur von angeblich positiven Ergebnissen und die Berichterstattung gaukelt eine überwältigende Beweisfülle für ein Medikament vor, selbst wenn 70% der durchgeführten Studien zu negativen Ergebnissen gelangten.

Ein Sachverhalt, der dazu geführt hat, dass Studien heute in vielen Ländern frühzeitig mit ihren Zielkriterien registriert werden müssen – sonst lehnen alle führenden Fachmagazine die Publikation der Ergebnisse ab. Für mache in der Vergangenheit zugelassene Medikamente gibt es mehr negative als positive Wirksamkeitsstudien – die wurden nur nicht publiziert.

Psychopharmaka – Nicht besser als Placebos?

Heiß umkämpft sind die Psychopharmaka – ein Milliardenmarkt, der sich gegen immer mehr Selbsthilfe-Seminare und Therapieangebote durchsetzten muss. Für Furore sorgte Anfang des Jahres eine amerikanische Meta-Studie, die nachwies, dass die häufigsten Antidepressiva in den meisten Fällen nicht besser Wirken als ein Placebo – eine Schlagzeile die erstaunlicherweise bis in Newsweek schaffte.

Passend zur Debatte erschien das Buch „Anatomy of an Epidemic“ von Robert Whitaker – die erste umfassende Meta-Analyse der Langzeit-Wirkungen von Psychopharmaka.Der Autor kommt darin zu Schlüssen, die der Industrie nicht schmecken werden:

Schizophrenie-Patienten beispielweise geht es offenbar viel besser ohne Medikamente als mit, und ADHS-Medikamente haben nicht nur keine erwiesene Wirkung, sondern scheinen später auch zu biopolaren Störungen zu führen. Und dergleichen Beispiele gibt es viele.

Whitakers Motivation zu diesem schwierigen Buch ergab sich aus einer einfachen Beobachtung:

„Wenn unsere Medikamente zur Prävention psychischer Erkrankungen so wirksam sind, dachte ich mir, warum sind so viele Menschen nicht mal fähig zu arbeiten? Ich dachte, wir sollten mal auf die langfristigen Ergebnisse schauen und uns fragen: Was zeigen die Beweise? Gibt es eine langfristige Verbesserung oder nicht?“, so der Autor im Interview mit salon.

Die erfundene Pandemie

Sein Ergebnisse zeigen, dass sich alles im Gegenteil noch drastisch verschlimmert hat – und dass die Pharmakonzerne dies auch wissen. Aber der Markt ist zu lukrativ, um aufgegeben zu werden.

Ein Markt, der laut Whitaker von der Pharmaindustrie und den zugehörigen Psychiatern überhaupt erst erfunden wurde, als die Psychotherapie in den 1970ern immer mehr Verbreitung fand.

„Die Psychiatrie sah sich mit diesen anderen Therapeuten in einem Wettbewerb um die Patienten und in den späten 1970er Jahren realisierte das Feld, das ihr einziger Vorteil auf dem Markt ihre Verschreibungs-Macht war.

Daher versuchte das Feld ganz bewusst, eine öffentliche Geschichte zu erzählen, welche die Nutzung ihrer Medikamente unterstützen würde und schuf das „medizinische Modell“ der psychiatrischen Erkrankungen.“

Das soll nicht heißen, dass Psychopharmaka keine Wirkungen haben. Antidepressiva haben bei schweren Depressionen nachweislich Wirkung – ob sie allerdings helfen, ist eine ganz andere Frage.

 

Whitaker zeichnet in seinem Buch nach, dass Menschen, die ihre Depressionen nicht medikamentös behandeln, zumeist gesunden, während jene, die Antidepressiva nehmen, zwar kurzfristig Linderung durch das Medikament erfahren, dafür aber oft ihr Leben lang chronische Depressionen haben.

Ein weiterer Schachzug für die Verbreitung der Medikamente bestand darin, ganz gewöhnliche Charakterschwächen zu medikamentierbaren Krankheiten zu erklären.Zahlreiche Krankheiten wurden regelrecht erfunden, damit man Medikamente dagegen entwickeln konnte.

„Es gibt einen eingebauten wirtschaftlichen Anreiz, psychische Erkrankungen so beliebig wie möglich zu definieren und normale, unangenehme Gefühle oder Verhaltensweisen, die manche Menschen nicht mögen zu finden und sie als psychische Erkrankung zu bezeichnen.“

Langzeitschäden

Tatsächlich, so meint Whitaker, sind Psychopharmaka nichts anderes als Drogen: eine kurzzeitige Verbesserung auf Kosten schwerer langfristiger Schäden.

Die derzeitige „Pandemie“ an psychischen Störungen ist laut Whitaker also einerseits darauf zurückzuführen, dass einfach fast alles mittlerweile eine solche ist. Andererseits zeigt sich aber auch ein tatsächlicher Anstieg von Fällen, die aufgrund von psychischen Erkrankungen unfähig sind, ihrem gewöhnlichen Leben nachzugehen.

Einer von 50 Amerikanern gilt mittlerweile als psychisch krank – vor dem Einsatz von Psychopharmaka war es gerade mal einer von 300. Und dieser Anstieg passiert nicht trotz, sondern gerade wegen der Medikamente, meint Whitaker:

„Was Sie bei jeder Klasse dieser Psychopharmaka feststellen werden, ist auf lange Sicht eine Verschlechterung der Zielsymptome der Depression oder Psychose oder Angst im Vergleich zu Patienten, die mit einem Placebo behandelt wurden.

Selbst beim Zielsymptom, gibt eine größere Häufigkeit und Schwere der Symptome. Und sie werden einen ziemlich bedeutenden Prozentsatz der Patienten sehen, bei denen neue und schwere psychiatrische Symptome erst durch die Droge selbst ausgelöst werden.“

Mythos „Chemisches Ungleichgewicht“

Die Theorie der Psychopharmaka lautet, dass psychische Krankheiten auf ein chemisches Ungleichgewicht im Gehirn zurückzuführen sind und daher auch chemisch zu behandeln sind. Schizophrenie, so heißt es dort, sein ein Dopamin-Überschuss – behandelbar durch Dopamin-Blocker, Depression sei hingegen eine Serotonin-Unterversorgung, der ebenfalls chemisch beizukommen sei. Das jedoch, meint Whitaker, stellt sich mehr und mehr als ein Mythos heraus.

„Sie haben nie bewiesen, dass Menschen mit Schizophrenie überaktive Dopamin-Systeme haben. Es wurde nie bewiesen, dass Menschen mit Depressionen unteraktive Serotonin-Systeme haben. Sie haben nie konsistent nachgewiesen, dass überhaupt irgendeine dieser Erkrankungen mit einem chemischen Ungleichgewicht im Gehirn verbunden ist.

Die Geschichte, dass Menschen mit psychischen Störungen bekannte chemische Ungleichgewichte haben – das ist eine Lüge! Wir wissen das überhaupt nicht. Es ist einfach etwas, dass sie sagen, um den Verkauf von Drogen und das biologische Modell der psychischen Störungen zu fördern. Die Wahrheit ist: Menschen, die mit psychischen Störungen diagnostiziert wurden, haben keine bekannten Probleme mit ihren Neurotransmitter-Systemen, aber diese Medikamente stören die normale Funktion von Neurotransmittern.“

 

Und hier liegt das eigentliche Problem. Studien konnten zeigen, dass das Gehirn sich an die Medikamente in einer Weise anpasst, die das angebliche Problem überhaupt erst erzeugen.

Bekommt ein Patient Dopamin-Blocker, reagiert das Gehirn darauf mit der Produktion von Dopamin und der Bildung von mehr Dopamin-Rezeptoren, um den Normalzustand wieder herzustellen.

Bei depressiven Patienten, bei denen der Serotonin-Level künstlich angehoben wird, setzt das Gehirn folgerichtig mit der Produktion von Serotonin aus und bildet die entsprechenden Rezeptoren zurück. So erzeugt die Droge genau den Zustand, den sie angeblich bekämpfen soll.

 

Und nicht nur das chemische Gleichgewicht ändert sich, selbst die Physiologie des Hirns ändert sich in einigen Fällen dramatisch durch die Medikamente und erschafft einen chronisch kranken Menschen, mit exakt den Symptomen, die er zu heilen versucht.

 

Eine alarmierende Erkenntnis in einer Zeit, in der immer mehr Kinder von jüngstem Alter mit Psychopharmaka behandelt werden.

Lebenslange Kunden für eine unbewiesene Medizin

über Psychopharmaka: Die unbewiesene Medizin – Mehr Schaden als Nutzen? — Alpenschau.com

Ein Kommentar zu Psychopharmaka: Die unbewiesene Medizin – Mehr Schaden als Nutzen?

  1. Hat dies auf Treue und Ehre rebloggt.

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