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Elternzeit für Kühe: In diesem Betrieb dürfen Kälber bei ihren Müttern bleiben

In Milchbetrieben werden neugeborene Kälber in der Regel sofort von der Mutterkuh getrennt, denn die Milch der Kuh soll verkauft und nicht an das Kalb verfüttert werden. Einige Milchbauern gehen jedoch einen anderen Weg – und geben ihren Milchkühen „Elternzeit“.

In Hochleistungs-Milchbetrieben sind säugende Kühe nicht vorgesehen – sie würden die Abläufe stören und Milch trinken, die eigentlich verkauft werden soll. Deswegen werden Kälber in der Regel schon wenige Stunden nach der Geburt oder spätestens nach einigen Tagen von ihren Müttern getrennt.

Zu trinken bekommen die jungen Kälber in konventionellen Betrieben dann nicht Muttermilch, sondern Ersatzmilch aus speziellen Nuckeleimern. Die Milch wird aus Pulver und warmem Wasser angerührt. Auch viele Biobauern trennen der Süddeutschen Zeitung zufolge die Kälber von den Müttern – allerdings bekommen die Tiere in Bio-Betrieben noch richtige Kuhmilch in ihre Nuckeleimer.

„De Öko Melkburen“ machen es anders

Einige Betriebe überdenken diese Vorgehensweise, wie zum Beispiel die „De Öko Melkburen“, drei Bioland-Bauern aus Schleswig-Holstein. Die Bauern lassen die Kälber für mindestens drei Monate bei ihren Müttern. Ihre „Vier-Jahreszeiten-Milch“ ist laut der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ bundesweit die erste im Einzelhandel erhältliche Milch, die ausschließlich aus muttergebundener Kälberaufzucht stammt.

„Die Kühe leben mit ihren Kälbern im Herdenverband und können, wann immer sie wollen, Milch trinken und mit anderen Kälbern spielen. Zwar werden die Kühe während dieser Zeit auch gemolken, jedoch verzichten wir bewusst auf einen großen Teil der Milch zugunsten einer ethischen Nutztierhaltung. Wir gewähren unseren Kühen ihre verdiente ‚Elternzeit‘“, heißt es auf der Webseite der Melkburen.

Der Betrieb verkauft in der Säugephase weniger Milch als sonst, macht also wirtschaftliche Einbußen. Das schlägt sich auch leicht im Preis nieder: „Vier Pfoten“ zufolge wurde die Vier-Jahreszeiten-Milch nach der Umstellung rund 30 Cent teurer. Ein Liter der Milch koste im Einzelhandel 1,79 bis 1,99 Euro.

Kälber entwickeln sich besser

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, entwickeln sich die Kälber auf dem Hof der Öko Melkburen besser, seitdem sie nicht mehr von den Müttern getrennt werden. Aus den Nuckeleimern haben die Kälber vor der Umstellung zu wenig getrunken, außerdem seien sie oft krank geworden.

Durch die Nähe zu den Muttertieren trinken sie nun viel mehr, nehmen schneller zu und lernen früher, Gras und Heu zu fressen. So bringt die „muttergebundene Kälberaufzucht“ nicht nur für die Tiere selbst Vorteile mit sich: Seit der Umstellung habe der Betrieb deutlich niedrigere Tierarztkosten.

Wo kann man die Milch kaufen?

Zu kaufen gibt es die Vier-Jahreszeiten-Milch der Öko Melkburen in Geschäften in Schleswig-Holstein und Hamburg. Dort wird die Milch zum Teil auch von Supermarkt-Ketten verkauft, der Betrieb beliefert unter anderem Edeka.

Wo es noch Milch aus muttergebundener Kälberaufzucht kaufen gibt zeigt die Liste „Höfe mit mutter- oder ammengebundener Kälberaufzucht“ der Welttierschutzgesellschaft(PDF, Stand Mai 2017)

Quelle: utopia

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