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Fake News und kein Ende – Der Fall Skripal wird zum Offenbarungseid einer Branche

Gestern berichteten die NachDenkSeiten von einem spektakulären Fall einerFalschmeldung, die von vielen selbsternannten Qualitätsmedien weiterverbreitet wurde. Es ging um die Meldung, dass die OPCW eine russische Herkunft des in Salisbury eingesetzten Gifts bestätigt habe. Dies ist nicht zutreffend. Ein Leser machte uns daraufhin darauf aufmerksam, dass die von uns gewählte Überschrift „Fake News auf allen Kanälen“ ein wenig überzogen sei, da einige Medien die Falschmeldung erkannten und nicht publizierten. Das ist richtig. Doch ein kleiner Blick darauf, wie die Fake-News-Verbreiter auf den Skandal reagiert haben, lässt sämtlichen Zweckoptimismus wieder verschwinden. Von Jens Berger.

So hat der Branchenprimus SPIEGEL Online beispielsweise die Falschmeldung bis heute nicht korrigiert. Und auch die ehemals angesehene Frankfurter Rundschau ist heute noch auf Fake-News-Kurs – und dies obwohl zahlreiche Leser sich beschwert haben. Anstatt die Falschmeldung zu korrigieren, hat man lieber das Forum zum Artikel geschlossen. In beiden Fällen kann man nicht mehr von Fahrlässigkeit oder einem peinlichen Fehler ausgehen. Wer wider besseres Wissen Falschmeldungen publiziert, tut dies mit vollem Vorsatz.

Zahlreiche andere Medien korrigierten zwar die Falschmeldung – jedoch so lustlos und oberflächlich, dass man an Dinge wie Bildunterschriften etc. gar nicht dachte. So steht heute auf dem Portal t-online und Welt.de die Falschmeldung zwar nicht mehr in der Überschrift; dafür aber in Bild- und Videounterschriften. Andere Medien korrigierten die Falschmeldung still und leise, während einige Ausnahmen wie der Tagesspiegel eine bessere Krisenstrategie fanden und die Korrektur kenntlich machten und zusätzlich gleich auch auf den Bericht der OPCW verlinkten.

Insgesamt ergibt die Stichprobe ein wirklich erbärmliches Bild. Von allen großen Medien hat nur heute.de schnell und korrekt gearbeitet. Nun könnte man die Position vertreten, solche Fehler seien lässlich – schließlich habe man ja in den meisten Fällen relativ schnell reagiert. Doch das ist natürlich falsch. Bei den Lesern brennt sich meist der erste Eindruck ein. Gerade bei Eilmeldungen interessiert es die Leser in der Regel nicht mehr, ob diese Meldung einen Tag später im Kleingedruckten korrigiert oder relativiert wird. Denn am nächsten Tag wird bereits die nächste Sau durchs mediale Dorf getrieben und die Falschmeldung bleibt im Hinterkopf hängen. In diesem Sinne ist der Fall der Falschmeldungen zum Fall Skripal ein Offenbarungseid einer ganzen Branche … auch wenn es sicher einige wenige Ausnahmen gibt, die hier korrekt gehandelt haben. Unser Leser C.K. war so nett, für uns eine kleine Stichprobe zu machen, was verschiedene Medien gestern getitelt haben und was sie heute titeln. Das Ergebnis ist verstörend.

Frankfurter Rundschau

Auch die Frankfurter Rundschau gab gestern die Falschmeldung unter der Überschrift „Bestätigt: Das Gift kam aus Russland“. Dann geschah offenbar Seltsames: Man änderte zwar die Überschrift, brachte die Fake News aber dennoch im Aufmacher direkt unter der Überschrift. Und als die Leser sich über die Falschmeldung beschwerten, machte man ganz einfach den Kommentarbereich dicht. Damit zeigt die FR exakt, wie man es nicht machen sollte. Unser Leser C.K. kommentierte dies mit folgendem Satz: „Unter aller Sa.., die gute alte Tante Frankfurter Rundschau, ist sich für nichts mehr zu schade, viele ehemalige Leser und Redakteure der FR werden sich ekeln, wenn Sie so etwas lesen“.

SPIEGEL Online

Erschreckend ist auch, dass Branchenprimus SPIEGEL Online es nicht für nötig hält, die Falschmeldung zu korrigieren. Die Falschmeldung von gestern ist heute immer noch ohne Korrektur oder Anmerkung im Netz. Merkwürdig ist auch, dass der Artikel nach Angaben von SPON sehr wohl um 16:13 geändert wurde. Daher kann man hier wohl von Vorsatz ausgehen. Wer trotz besseres Wissens eine Falschmeldung stehen lässt, tut dies mit vollem Vorsatz.

RP-Online

Im Onlineableger der Rheinischen Post steht auch heute (Stand 9:00) noch die Falschmeldung. Dabei wurde die Zeitung gleich mehrfach von Lesern darauf aufmerksam gemacht, dass die Überschrift faktisch nicht korrekt ist.

BILD

Von BILD.de erwartet man natürlich gar nicht erst, dass man dort die Meldung korrekt wiedergibt. Und zumindest diese Erwartung erfüllt die BILD auch, obgleich man die Überschrift in ihrer ebenso schlichten wie sibyllinischen Sprache auch anders lesen könnte.

WELT

WELT.de meldete gestern „Skripal-Fall: OPCW – Vier Labore bestätigen russische Herkunft des Giftes“. Die WELT hat die Überschrift mittlerweile in „Vier Labore bestätigen britische Angaben im Skripal-Fall“ geändert, was zumindest fragwürdig ist, da die OPCW zwar im öffentlich zugänglichen Teil die Erkenntnisse des britischen Labors Porton Down bestätigt, das seinerseits aber die Aussagen des britischen Außenministers Johnson und diverser britischer Diplomaten als Falschaussagen darstellt. Diese Variante der „Verschlimmbesserung“ hatte gestern jedoch Methode. Unter den Text hat WELT.de eine kurze Erklärung zur Korrektur angefügt …

In einer ersten Version des Textes und der Überschrift schrieben wir aufgrund von Informationen der Nachrichtenagentur AFP, dass laut OPCW die russische Herkunft des Giftes bestätigt sei. Das ist nun korrigiert.

Nicht korrigiert hat man jedoch die Bild-/Videounterschrift, die nach wie vor die Falschmeldung enthält …

FAZ

FAZ.net meldete gestern „Nervengift im Fall Skripal stammt laut OPCW aus Russland“, nahm diesen Artikel jedoch schon sehr schnell kommentarlos vom Server und brachte einen neuen Artikel mit der Überschrift „OPCW bestätigt im Fall Skripal britische Ergebnisse“, der zwar (s.o.) ebenfalls suggestiv zu falschen Interpretationen führen könnte, aber im Kern keine Falschmeldung mehr enthielt. Dafür hatten wir die FAZ gestern sogar noch gelobt. Ein Fehler. Denn um 16:19 ersetzte die FAZ diesen vergleichsweise neutralen Text durch eine schärfere Version, in der ausführlich die Interpretation der Untersuchungsergebnisse durch Boris Johnson dargelegt wird. Neutrale oder gar kritische Quellen kommen nicht zu Wort. Die FAZ erklärt dies unter dem Text folgendermaßen …

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels wurde fälschlicherweise erklärt, dass das Nervengift Nowitschok nach Ansicht der OPCW aus Russland stamme. Die OPCW hat jedoch lediglich die Ergebnisse britischer Untersuchungen bestätigt, wonach es sich bei dem Gift auf jeden Fall um Nowitschok handelt – was in der ehemaligen Sowjetunion hergestellt wurde. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

… und veröffentlicht damit gleich die nächste Falschmeldung, denn im Bericht der OPCW taucht auch die sowjetische Herkunft des Gifts nicht auf. Die OPCW schreibt expressis verbis, dass sie (nur) die Identität des Giftes („relating to the identity of the toxic chemical“) bestätigt. Name und Struktur werden im öffentlichen Bericht ausdrücklich nicht genannt. Dies soll im vertraulichen Bericht nachgeholt werden, der jedoch nicht öffentlich ist und nur den OPCW-Mitgliedsstaaten übermittelt wird.

Tagesspiegel

Gestern meldete der Tagesspiegel „Fall Skripal: OPCW bestätigt russische Herkunft des Giftes“ und verbesserte im Laufe des Tages. Jetzt titelt man unter der gleichen Adresse „OPCW bestätigt britische Angaben: Sergej Skripal mit Nowitschok vergiftet“. Die Erklärung dazu lautet ganz am Ende des Artikels …

In einer früheren Version hieß, es, die OPCW habe die russische Herkunft bestätigt. Das geht aus dem veröffentlichten Kurzbericht nicht hervor. Den Bericht finden Sie hier.

Stern

Auch Stern.de brachte die Falschmeldung unter der Überschrift „OPCW bestätigt russische Herkunft des Nervengiftes im Fall Skripal“. Der Artikel wurde still und heimlich korrigiert. Nun heißt es „OPCW bestätigt britische Erkenntnisse zum Nervengift im Fall Skripal“. Eine Erklärung oder gar Entschuldigung enthält der Stern seinen Lesern vor.

Süddeutsche Zeitung

Auch die Süddeutsche Zeitung hat ihre von uns gestern dokumentierteFalschmeldung samt Überschrift mittlerweile korrigiert, ohne ihre Leser darauf aufmerksam zu machen.

T-Online

T-Online brachte die Falschmeldung unter der Überschrift „OPCW: Russische Herkunft des Giftes im Fall Skripal bestätigt“. Auch T-Online korrigiert den Artikel ohne Erklärung und ohne Entschuldigung, schloss dafür aber kurze Zeit später nach heftigen Beschwerden der Leser kurzerhand die Kommentarfunktion. Nun titelt das zur Ströer Media gehörende Portal „Experten bestätigen britische Erkenntnisse zum Nervengift“. Die Falschmeldung taucht aber noch in der Bildunterschrift auf …

Deutschlandfunk

Auch der renommierte Deutschlandfunk wollte oder konnte offenbar die Echtheit der AFP-Meldung nicht überprüfen und titelte gestern „Untersuchungsbericht – OPCW: Gift im Fall Skripal stammt aus Russland“, änderte dies jedoch später in einen Text um, der beinahe vorbildlich ist. Nun heißt es: „Skripal – OPCW bestätigt Anwendung von toxischem Stoff“. Alles andere als vorbildlich ist jedoch die mangelnde Transparenz. Es gibt keine Korrekturmeldung und keine Entschuldigung. Unter dem Text steht nur der Hinweise, dass „diese Nachricht“ am 13. April gesendet wurde. Das mag sein. Die Falschmeldung vom 12. April wurde aber auch gesendet und ist heute nicht mehr auffindbar.

Deutsche Welle

Der deutsche Staatssender ist als offizieller PR-Kanal der Bundesregierung nicht zur Neutralität oder Objektivität verpflichtet. Daher ist auch die Überschrift „Fall Skripal: OPCW bestätigt britische Vorwürfe gegen Russland“ ebenso falsch wie erklärlich. Nachdem die Falschmeldung in sich zusammenfiel, änderte jedoch selbst die DW die Überschrift. Nun heißt es „Russland weist OPCW-Bericht zu Skripal zurück“. Der Text dazu ist jedoch weiterhin voll mit Suggestionen und einseitiger Darstellung.

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