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Indigene Kinder in Kanada: Sie werden gestohlen, in Pflegeeinrichtungen untergebracht, sexuell missbraucht und ermordet – Foster care system one of the paths to murdered and missing Indigenous women

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Man hat ihren toten Körper entsorgt, als wäre er nichts weiter als lästiger Müll. Tina Fontaines Körper wurde am 17. August 2014 aus dem Red River in Winnipeg gezogen. Er war in einen Bettbezug gesteckt und mit Steinen beschwert worden. Tina Fontaine wurde im Alter von 15 Jahren getötet und ihr Körper in den Red River geworfen. Phoenix Sinclair war fünf, als sie zu Tode geprügelt und ihr Körper weit weg in einer Deponie versteckt wurde. Ihr Tod blieb neun Monate unentdeckt. Cameron Ouskan, dem regelmäßig blaue Flecke zugefügt wurden und der Verletzungen am Kopf hatte, war erst 13 Monate alt, als er starb.

Was diese Kinder gemeinsam haben, ist, dass sie indigen sind und dass sie alle sich in Pflegeeinrichtungen in der Provinz Manitoba befanden.

Sie sind nur eine Handvoll der Hunderten, die während des vergangenen Jahrzehnts in Pflegeunterbringungen gestorben sind. Für die mehr als 10 000 indigenen Kinder ist die Pflegeunterbringung das neue Internat mit vielen Missbräuchen während des Besuchs.

Indigene Kinder wurden gewaltsam von ihren Familien und Gemeinden getrennt und in Internaten untergebracht, wo viele von ihnen verhungerten, vernachlässigt und gequält wurden, auch durch medizinische Experimente, und auch körperlich und sexuell missbraucht wurden. Mehr als 6000 jener Kinder kamen nicht lebend aus solchen „Schulen“ heraus. Überlebten sie die Zeit, so leiden sie und ihre Familien und Gemeinden unter Traumata, und das in allen Generationen.

Tina Fontaine hatte Sozialarbeiter, Polizisten und Menschen in der Gesundheitsfürsorge getroffen – aber niemand [von ihnen] sorgte für ihre Sicherheit

Kanada hat im Fall von Tina Fontaine versagt, so die Führer der Indigenen

Zwar wurde das letzte Internat 1996 geschlossen, damit endeten die Missbrauchsfälle jedoch nicht. Heutzutage werden mehr indigene Kinder gewaltsam von ihren Eltern getrennt und in Pflegeeinrichtungen gebracht als zur Hoch-Zeit der Ära der Internate. Insgesamt machen die Indigenen weniger als sieben Prozent der Bevölkerung aus, jedoch beträgt der Anteil indigener Kinder in kanadischen Pflegeeinrichtungen mehr als 48 Prozent. In Manitoba sind es sogar heftige 85 Prozent.

Jane Philpott, Ministerin für indigene Angelegenheiten, beschreibt diese Situation als „humanitäre Krise“. Doch trotz unermüdlichen Eintretens durch die Führer der First Nations, durch Experten für Kindeswohl und normaler Bürger haben die bundesstaatlichen und die Provinzregierungen keine nennenswerten Verbesserungen erreicht.

Zum Gedenken an Tina Fontaine halten Menschen Spruchplakate hoch während einer der vielen Kundgebungen im ganzen Land (Graham Hughes/The Canadian Press)

Tatsächlich ist während des vergangenen Jahrzehnts die Zahl der indigenen Kinder in Pflegeeinrichtungen gestiegen – nicht zurückgegangen. Dr. Cindy Blackstock, Vorsitzende der Gesellschaft für Kinder- und Familienfürsorge der First Nations, hat gegen die Bundesregierung eine erfolgreiche Klage wegen Diskriminierung eingereicht, da diese gezielt und ständig Kinder- und Familienfürsorgeeinrichtungen für die First Nations unterfinanziere. Doch trotz ihres juristischen Erfolgs weigert sich Kanada, die Diskriminierung der indigenen Kinder in Pflegeeinrichtungen zu beenden, und dies trotz der evidenten Tatsache, dass die Unterfinanzierung dieser Einrichtungen entscheidend zu der hohen Zahl indigener Kinder in diesen beiträgt.

Lebensgefahr

Diese Situation sollte als nationale Krise betrachtet werden. Nicht nur sterben Kinder in den Einrichtungen, jene, die überleben, erwartet eine Gefahr für ihr [weiteres] Überleben, für die sie keine Schuld tragen. In British Columbia stellte man fest, dass [nur] die Hälfte aller Internatskinder einen High-School-Abschluss bekommen. Indigene Jugendliche machen einen Anteil von 35 Prozent an Jugenddelikten aus. Eine Studie von 2001 stellte fest, dass zwei Drittel aller inhaftierten Indigenen eine Internatsvorgeschichte. Diese Statistik ist wirklich alarmierend.

Das Wohlfahrtssystem für die Kinder der First Nations muss sofort reformiert werden, sagt Cindy Blackstock

Abseits der Statistik: Die Geschichte zweier indigener Kinder, die kurz davor stehen, dem Schutz des Gerichts unterstellt zu werden.

Leider umfasst ihr Risikopotenzial nicht nur die Folgen schlechter Ausbildung und Straffälligkeitsraten. Die Hälfte aller Opfer von Sexhandel sind Indigene. Ein Bericht von „Globe and Mail“ von 2016 stellte fest, dass sie allein in Toronto 20 Prozent aller Sexhandel-Opfer ausmachen, obwohl ihr Anteil an der Bevölkerung weniger als ein Prozent beträgt. In Edmonton waren 40 Prozent aller Sexhandel-Opfer Indigene.

Es gibt [hierzu] keine zentrale Datenbank, aber die RCMP [Royal Canadian Mounted Police] bemerkt hierzu, Mädchen unter 18 Jahren seien einem besonderen Risiko ausgesetzt.

Laut den berichteten Informationen kamen die meisten dieser Opfer aus den Pflegeeinrichtungen. Hierin liegt der Zusammenhang zwischen Pflege und der Krise ermordeter und vermisster indigener Frauen und Mädchen. Indigene Kinder in der Pflege sind in besonderer Weise sie missbrauchenden Pflegeeltern, Vergewaltigern, Sexhändlern und einer Gesellschaft ausgesetzt, die seit Langem die sexualisierte Gewalt gegen indigene Frauen und Mädchen ignoriert.

Verwundbare Zielgruppe

Was bleibt, ist der unangenehme Aspekt dieser Krise – in der Ärzte, Rechtsanwälte, Polizeibeamte, Richter und einige Pflegeeltern indigene Pflege-Kinder als verwundbare Zielgruppe für sexualisierte Gewalt ansehen. Human Rights Watch veröffentlichte 2013 zahlreiche Berichte über sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen, die von Beamten der RCMP in British Columbia an indigenen Frauen und Mädchen begangen hatten. Mehr als acht Beamte wurden nach vielen Berichten über sexualisierte Gewalt gegen indigene Frauen und Mädchen in Val d’Or, Quebec, beurlaubt. Richter David Ramsay starb im Gefängnis, nachdem er zugegeben hatte, sich an indigenen Mädchen sexuell vergangen zu haben.

Diejenigen, deren Aufgabe es ist, sich um indigene Kinder in der Pflege zu kümmern, sind in einigen Fällen selbst zu Vergewaltigern geworden.

Das ist kein Wunder nach dem „Scoop“ der Sechziger Jahre – der massenhaften Adoption indigener Kinder durch nicht-indigene Familien – die zu einem regelrechten Handel mit indigenen Kindern geworden war. Ein Bericht aus British Columbia stellte fest, dass indigene Kinder vier Mal so stark sexuellem Missbrauch in Pflege ausgesetzt sind wie nicht-indigene Kinder. Von diesen in Pflege Missbrauchten waren zwei Drittel indigene Mädchen. In [ganz] Kanada wurden mehr als 4000 indigene Frauen und Mädchen ermordet oder werden vermisst.

Die Untersuchung der MMIWG

Auf nationaler Ebene hat diese Untersuchung noch nicht einmal damit begonnen, sich die systembedingten Verhältnisse anzuschauen. Wir können [jedoch] bereits auf der Basis von Aussagen der Familien und von Berichten jener Behörden, die mit Opfern arbeiten, voraussagen, das beinahe die Hälfte der Ermordeten und Vermissten in Verbindung mit dem Pflegesystem standen.

Wir sind nicht darauf angewiesen, auf den Bericht der nationalen Untersuchung zu ermordeten und vermissten indigenen Frauen und Mädchen zu warten, sondern können bereits jetzt die Dominanz des Pflegesystems mit den Ermordeten und Vermissten in Verbindung bringen. Bei all dem, was wir bereits jetzt über die Krise der indigenen Kinder in Pflege wissen, ist der wichtigste Schritt zu einer wirklichen Veränderung, damit aufzuhören,. indigene Kinder willkürlich aus ihrer familiär-gesellschaftlichen Umgebung herauszureißen und sie quasi „festzunehmen“.

Dies würde natürlich eine Krise im gegenwärtigen Kindes-Wohlfahrtssystem hervorrufen, aber was Kanada wirklich benötigt, ist eine Krise der Veränderung. Nur dies wird Bundes- und Provinzregierungen dazu zwingen nach Alternativen zu suchen, ihre Finanzbudgets neu aufzuteilen und unzählige Wege zu finden, indigene Kinder bei ihren Eltern, in ihren Großfamilien oder Gemeinden zu belassen.

Es reicht nicht, sich für die Internate und den „Scoop“ der Sechziger Jahre zu entschuldigen und dann uns unsere Kinder einfach weiter zu entreißen. Das Pflegesystem tötet unsere Kinder. Die Zeit ist gekommen, jetzt damit aufzuhören.

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