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Kampf-Schwarm: US-Armee ruft „Gremlins“ zu den Waffen

Von einem Bomber oder Transportflugzeug abgesetzt, bilden Kampfdrohnen einen selbstständig agierenden Verband, verteilen untereinander die Aufgaben und erledigen autonom den Auftrag – so stellt sich das Pentagon seine künftigen Luftstreitkräfte vor. „Gremlin“ heißt das Programm des US-Verteidigungsministeriums.

Syrien war quasi das Testgelände für den Einsatz eines Kampf-Schwarms unter Gefechtsbedingungen: In der Nacht auf den 6. Januar dieses Jahres attackierte eine Gruppe aus 13 Kampfdrohnen den russischen Stützpunkt Hmeimim und die Marinebasis Tartus. Diese Kampftaktik will das amerikanische Verteidigungsministerium weiterentwickeln. „Die Idee des Gremlin-Programms besteht darin, kleine und relativ günstige Fluggeräte zu entwickeln, die von Bord eines Kampfflugzeugs aus gestartet werden können“, sagt der Militärexperte Denis Fedutinow, Chefredakteur einer russischen Fachzeitschrift über autonome Luftfahrt.

Der Clou dabei ist, wie Fedutinow erklärt, dass der Einsatz der Drohnengruppe nicht gemäß einem vorher festgelegten Plan erfolgt. Vielmehr passt sich der Verband flexibel den jeweiligen Anforderungen an. Das eigene Vorgehen koordiniert der Kampfschwarm selbstständig, ohne dass taktische Entscheidungen von einer Zentrale getroffen werden müssen. Im Prinzip wird so das Verhalten natürlicher Gruppen – einer Herde oder eben eines Schwarms – nachgeahmt.Das Konzept bietet mehrere kampftaktische Vorteile. Erstens wird durch den Einsatz von Drohnenschwärmen die Schlagkraft der gegnerischen Flugabwehr reduziert. Zweitens ist ein Drohnenschwarm weniger störanfällig, weil er so durch Algorithmen gesteuert wird, dass keine Funkverbindung zwischen den einzelnen Drohnen benötigt wird. Und drittens ist solch ein System sehr anpassungsfähig: Fällt beispielsweise eine Drohne aus, können die Aufgaben innerhalb der Gruppe neuverteilt werden. Außerdem ist das Einsatzprofil eines Drohnenteams durch den Anschluss weiterer „Mitglieder“ flexibel erweiterbar.

Als Trägerplattformen für die kleineren Schwarmdrohnen kommen mehrere Systeme in Betracht: Bomber, Transportflugzeuge, Kampfjets, selbst größere Kampfdrohnen können die kleinen Geräte aufnehmen und im Einsatzgebiet absetzen. Bei einer Reichweite von 550 Kilometern und einer Einsatzdauer von rund zwei Stunden können die Drohnen auch weit vor dem eigentlichen Ziel gestartet werden – also dort, wo die gegnerische Flugabwehr sie nicht treffen kann.

Verantwortlich ist für dieses Waffenprogramm die Forschungsagentur DARPA, eine Behörde innerhalb des Pentagons. Sie gibt die Ziele des Programms vor und vergibt die Aufträge an die Entwickler. Sie hat ein Video bei YouTube veröffentlicht, das das Einsatzprinzip der „Gremlins“ veranschaulicht.

Das Besondere an dem Systems ist eine autonome Andockanlage, mit deren Hilfe die Trägerflugzeuge die Drohnen nach dem Einsatz wieder an Bord nehmen können. Bis zu 20 Mal können die kompakten Fluggeräte eingesetzt werden, bevor sie gewartet werden müssen. Und die Wartung darf nicht mehr als 24 Stunden beanspruchen – so eine Vorgabe der DARPA.

Derzeit läuft die dritte (die Abschluss-) Phase des Programms. Daran arbeitet derzeit die Firma Dynetics. Das Pentagon hat mit dem Unternehmen jüngst einen 21-monatigen Vertrag im Umfang von 38,6 Millionen Dollar abgeschlossen. Bis Ende 2019 soll die Entwicklung abgeschlossen werden. Anfang dieses Monats hat das Pentagon einen erfolgreichen Flugtest der „Gremlins“ gemeldet, sodass die Frist zumindest vorläufig realistisch erscheint.Was den Angriff auf die russischen Stützpunkte in Syrien im vergangenen Januar angeht, so meldete das russische Militär, sieben der 13 Angreifer-Drohnen durch dasFla-System Panzyr-S1 abgewehrt zu haben. Die restlichen Fluggeräte konnten durch elektronische Kampfmittel ausgeschaltet werden. Derzeit läuft in Russland ein spezielles Entwicklungsprogramm: „Pischtschal“, „Taran“ und „Sapsan“ heißen die künftigen Systeme zur Bekämpfung von Drohnenschwärmen.

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